Das Kung Fu der Entspannung
- vor 4 Tagen
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Die Sommerferien sind da. Für viele ist das eine gute Gelegenheit einmal durchzuatmen und richtig zu entspannen.
Aber was bedeutet das eigentlich?
Wenn wir ehrlich sind, tauschen wir häufig nur eine Form der Beschäftigung gegen die nächste. Nach der Arbeit spielen wir am Handy, schauen Serien oder sind in den sozialen Netzwerken unterwegs. Das fühlt sich oft angenehm an – und natürlich darf das auch mal sein.
Aber wirkliche Entspannung entsteht dadurch nicht unbedingt.
Dazu kommt, dass viele Menschen gar nicht wissen, wie erschöpft sie wirklich sind.
Erst wenn sie zur Ruhe kommen, merken sie, wie laut es im Inneren geworden ist.
Eine kleine Zen-Geschichte dazu:
Ein Schüler fragte den Meister: „Wann bin ich richtig entspannt?“
Der Meister antwortete: „Wenn du aufgehört hast, Entspannung erreichen zu wollen.“
Jeder, der sich mit den asiatischen Bewegungs- und Meditationskünsten beschäftigt, kommt irgendwann mit dem Bild der Teeschale in Berührung.
Der Ton gibt der Teeschale ihre Form. Doch trinken können wir nur wegen des leeren Raumes im Inneren. Es ist nicht allein die Form, welche die Tasse wertvoll macht. Auch nicht die Leere allein. Erst beides zusammen erfüllt ihren Zweck.

Dasselbe gilt übrigens auch in der Architektur. Form und Funktion beeinflussen sich gegenseitig. Eine gute Form ermöglicht eine gute Funktion. Und eine sinnvolle Funktion verlangt nach einer passenden Form.
Genau so verstehen wir auch im Kung Fu den Menschen:
Anspannung gibt unserem Körper Struktur, Haltung und Ausrichtung.
Entspannung schafft Raum, Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit.
Keiner dieser Zustände ist besser als der andere. Gesundheit, Kraft, Erfolg und Zufriedenheit entsteht dort, wo beide ihren Platz haben. Es geht nicht um ein „Entweder-oder“, sondern um das richtige Maß, den richtigen Moment und die richtige Beziehung zwischen den Gegensätzen.
Vielleicht liegt genau hier ein Missverständnis in dem Denken von un-entspannten Menschen:
Viele Menschen wollen Entspannung, versuchen sie sogar zu erzwingen.
Doch das WOLLEN, SUCHEN und ERZWINGEN erzeugt meist nur mehr Anspannung.
Denn Entspannung lässt sich nicht erzwingen. Genauso wenig wie Schlaf. Je mehr wir versuchen, unbedingt ruhig zu werden, desto weiter entfernen wir uns oft davon.
Man kann nur die Bedingungen schaffen, unter denen sie entstehen kann.
Oder wie Meister Tian (aus meinem Buch „Der Weg des Tigers“) es wohl ausdrücken würde:
„Übe nicht, ruhig zu werden. Höre auf, ständig Unruhe zu erzeugen.“
Deshalb beginnt das Kung Fu der Entspannung mit einer einfachen Veränderung der Aufmerksamkeit.
Frage dich nicht:
„Was muss ich als Nächstes tun?“
Sondern:
„Was nehme ich gerade wahr?“
Probiert es in den Ferien einfach einmal aus.
Legt euch zehn Minuten in eine Hängematte. Ohne Handy. Ohne Musik. Ohne Buch.
Spürt das leichte Schwingen, den Atem, den Wind auf der Haut.
Nicht mit dem Ziel, besonders entspannt zu sein – sondern einfach nur, um wahrzunehmen.
Oder ihr geht zehn bis zwanzig Minuten spazieren. Ohne Podcast oder sonstige Ablenkung. Beobachtet, was ihr seht, hört und fühlt.
Das klingt fast zu einfach, oder?
Vielleicht ist es gerade deshalb so schwer.
Denn das eigentliche Kung-Fu der Entspannung besteht nicht darin, möglichst wenig zu tun. Es besteht darin, wieder in einen natürlichen Rhythmus zu finden. Zu erkennen, wann Aktivität gefragt ist – und wann Ruhe. Wann wir gestalten sollten – und wann Loslassen die bessere Entscheidung ist.
Denn überall dort, wo dieses Verhältnis stimmt, kann etwas fließen.
Ein alter daoistischer Gedanke beschreibt das sehr treffend: Wu Wei. Häufig wird das mit „Nicht-Handeln“ übersetzt. Gemeint ist nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, nicht ständig eingreifen zu müssen. Nicht alles kontrollieren, bewerten oder verbessern zu wollen. Sondern dem Leben für einen Moment zu erlauben, einfach da zu sein.
Vielleicht sind genau dafür die Sommerferien da.
Nicht, um möglichst viel zu erleben.
Sondern um sich selbst zwischendurch wieder ein Stück näherzukommen.























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